2.1 Familienfreund Kirche

Früher wachten in Deutschland die christlichen Kirchen über die Familien. Sie führten die Personenregister, in denen Heiraten, Geburten und Todesfälle aufgezeichnet wurden. Sie entschieden, wer heiraten durfte oder nicht und berücksichtigten dabei sowohl Einkommen und Vermögen als auch kirchenkonformes Verhalten. Eine Partnerschaft ohne kirchliche Mitwirkung wurde nicht geduldet. Ein Kind unverheirateter Eltern wurde als Bastard ausgegrenzt, und nur eine nachgeholte Eheschließung konnte das verhindern, eine in Deutschland bis heute fortbestehende Tradition, die mehrfach vom Europäischen Gerichtshof beanstandet wurde. Jede Ehe bedeutete eine lebenslange Verpflichtung, eine Auflösung der Ehe war für den einfachen Menschen ausgeschlossen und nur höheren Kreisen mit Geld und Macht zugänglich.

Mit den hoheitlichen Funktionen verband die Kirche die Aufsicht über die Einhaltung kirchlicher Gebote. Dass ein Gläubiger die aus freien Stücken befolgte, traute man ihm nicht zu. Deswegen wurden Übertretungen mit Strafen geahndet. Kirchenstrafen konnten je nach Schwere der Schuld und dem Bestrafungsbedürfnis vom Aufsagen frommer Sprüche bis zum grausamen Tod auf dem Scheiterhaufen reichen.

Die Zeiten solchen Kirchenterrors sind zum Glück vorbei. An ihren sonderbar anmutenden Regeln hält die katholische Kirche aber bis heute fest, so im Bereich der Familie an der Unauflösbarkeit der Ehe, dem Verbot sexueller Aktivität ohne Zeugungsabsicht, dem Verbot jeder hormonellen oder mechanischen Empfängnisverhütung wie Pille oder Kondom. Sie setzt sich weiterhin für ein Familienbild ein, bei dem der Mann Familienoberhaupt und Geldverdiener ist und die Frau anstelle einer Berufstätigkeit Haushalt und Kinder versorgt.

Viele bekennende Katholiken beachten diese Gebote ihrer Kirche nicht. Von der seligmachenden Wirkung des Sex-Verzichts hat die Kirche nicht einmal ihre eigenen Priester überzeugen können. Wer deswegen aber meint, sie habe zum Thema Familien nichts mehr beizutragen, liegt leider falsch. Nur richtet sie ihre Verkündigung dazu nicht direkt an die Familien, sondern indirekt über die Staatsmacht. Zu der unterhält sie traditionell beste Beziehungen. Die nutzt sie, um den Familien katholische Lebensart zu vermitteln, ob die sich zum katholischen oder christlichen Glauben bekennen oder nicht. Wie in den tausenden von Jahren davor setzt sie dabei nicht auf Überzeugung, sondern auf Bestrafung von Übertretungen. Dabei schien man bereits vor 140 Jahren auf einem besseren Weg zu sein, wie im Abschnitt Kirchenfreund Staat beschrieben.