Wieviel Ehe braucht Familie?

Früher waren ein Zusammenleben von Mann und Frau oder auch nur flüchtige intime Kontakte nur möglich, wenn die Beteiligten verheiratet waren. Das ist heute anders, aber immer noch dreht sich viel um die Ehe, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen. Da gibt es sachliche Gründe für eine Eheschließung wie Steuervorteile, die Versorgung nicht erwerbstätiger Partner oder das Adoptionsrecht. Partner erwarten für sich und ihre Familie höhere Weihen von einer Ehe, andere passen sich dem an, was die anderen tun, und manchen geht es schlicht ums Gaudi.

Ganz andere Interessen vertreten Menschen, die sich in Kirche, Politik und Rechtsprechung um Ehen, Paare und Familien kümmern:

  • Die katholische Kirche will, dass jedermann ihre Glaubenssätze befolgt. Zu denen gehört weiterhin, dass es Intimität und damit auch Familie nur in einer Ehe gibt und dass die Ehe lebenslang zu bestehen hat. Für normal hält die Kirche in einer Ehe, dass der Mann arbeiten geht und die nicht erwerbstätige Frau Haushalt und ggf. Kinder versorgt.
  • Die Politik möchte die Versorgung des wirtschaftlich Schwächeren durch den Stärkeren sichern. Schwächer sind Hausfrauen und Kinder, stärker ist der erwerbstätige Mann. Versorgung heißt bei Politikern vieldeutig: Verantwortung übernehmen, bei Juristen eindeutig beschränkt: Geld zahlen.
  • Die Rechtsprechung urteilt nach den Gesetzen des Familienrechts, nutzt aber Freiräume für Auslegungen und persönliche Einschätzungen. Folgt denen die gesamte Richterschaft, so gelten sie als „herrschende Meinung“ und werden zu einer Form von Gesetzgebung durch Gerichte.

Die drei Institutionen unterstützen sich gegenseitig bei der Verfolgung ihrer Ziele. „Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen“ bestimmt § 1353 des Familienrechts. Die gegen den Widerstand der Kirche eingeführte Ehescheidung wurde zwar nicht abgeschafft, dafür kam die Politik der Kirche bei der geschiedenen Ehe entgegen, wertete sie als „gescheitert“ ab und gab sie zur Entsorgung frei. Das ist die Aufgabe von Gerichten, deren Sanktionen sowohl der Bestrafung als auch der Auflösung der gescheiterten Familie dienen. Richter legen bei ihren Scheidungsurteilen ohne Prüfung der tatsächlichen Gegebenheiten die von der Kirche empfohlene Arbeitsteilung in einer Ehe zugrunde.

Nach katholischen Vorgaben erklären Richter die Ehe wieder zur einzigen Grundlage einer Familie, obwohl das in keinem Gesetz steht. Wie die Kirche über viele Jahrhunderte zuvor bemüht sich auch die Richterschaft, die lebenslange Ehe mit staatlicher Gewalt durchzusetzen. Das ist nicht nur grandios gescheitert, und hier passt das Wort einmal wirklich. Vielmehr dürfte die staatliche Eheförderung die stetige Zunahme der Ehescheidungen und die hohe Zahl armutsgefährdeter alleinerziehender Eltern und alleinerzogener Kinder selbst hervorrufen.

Die Förderung der katholischen Lebenszeitehe durch den Staat dient also keineswegs der Förderung von Familien. Die brauchten wirkliche Hilfe und nicht Zurechtweisung. Denen müsste jemand sagen, was Partnerschaft ist, warum es unter Partnern Probleme gibt und wie man damit umgeht, dass die langfristige vertrauensvolle Partnerschaft einen hohen Wert hat, für den sich ein hoher Einsatz lohnt, dass für Kinder die gemeinsame Fürsorge ihrer beiden natürlichen Eltern außerordentlich wichtig ist, auch nach einer Scheidung. Es gäbe eine Menge für die Familien zu tun, aber die Wohltäter in Kirche, Politik und Justiz tun lieber eine Menge gegen die Familien.

Die müssen derweil selbst für sich sorgen und sich und ihre Kinder vor den Ehewächtern in Sicherheit bringen. Das müssen sie frühzeitig und gemeinsam in Angriff nehmen. Wie das geht, schlage ich in meinem Büchlein „Verliebt Verlobt Verheiratet Verurteilt“ vor.

Wahlprogramme für Familien

In den Programmen von SPD, Linken, Grünen und CDU  für die kommende Bundestagswahl liest man den Satz „Familie ist da, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen“. Diese Familie wollen sie unterstützen mit Elterngeld und Kindergeld und Kinderfreibetrag und Kinderzuschlag und Kinderregelsatz und Kindergrundsicherung und Familienbudget und noch und noch. Und ja, den armen alleinerziehenden Müttern muss man unbedingt unter die Arme greifen.

Dass es in den Familien auch noch Väter gibt und dass man mit denen nicht ordentlich umgeht, haben immerhin FDP und AfD schon wahrgenommen. Die anderen gehen vermutlich davon aus, dass sie die Verantwortung übernehmen, von der in den Wahlprogrammen die Rede ist. Ja und die Kinder, deren Rechte kommen jetzt endlich ins Grundgesetz. Da können sie dann von den Familiengerichten ebenso ignoriert werden wie bereits jetzt die in Art. 6 garantierten Rechte ihrer Eltern.

Mit einer solchen Familienpolitik ist kein Staat zu machen; denn sie ändert nichts an der gegenwärtigen Situation, und die ist erbärmlich. An Stelle der Familien fördert der Staat die heilige Institution der Ehe, und wenn die nicht so läuft, wie man das gern hätte, wird die Familie abgestraft. Keine Partei will wahrhaben, dass die vielen bedauernswerten Alleinerziehenden eine Folge ihrer Politik sind. Keine nimmt zur Kenntnis, dass die hochgelobten Familiengerichte Familien nicht unterstützen, sondern kaputt machen. Keine verliert ein Wort darüber, dass deren selbstherrliche Rechtsprecherei jede Verbesserung für die Familien in eine Maßnahme gegen sie umzudeuten weiß. Denn die Justiz ist unabhängig, und das legt sie so aus, dass sie machen kann, was sie will oder schlimmer noch, was man höheren Orts von ihr erwartet. Allerdings hat das mit Rechtsstaatlichkeit nichts zu tun, wie sich auf der Internetseite trennungsfaq.com nachlesen lässt.

Wer wirklich etwas für Familien tun will, muss diese Missstände angehen. Die folgenden fünf Punkte legen dar, wie ein familienfreundliches Wahlprogramm aussehen könnte:

1. Trennung von Familie und Ehe

Der Staat zieht sich aus der Förderung der Ehe zurück und fördert stattdessen alle Lebensgemeinschaften von Erwachsenen mit Kindern. Erwachsene können in der Regel selbst für sich sorgen. Dagegen hilft ihnen der Staat bei der Sorge für die Kinder in Form von Zuwendungen an die Familien und durch Schaffung einer Infrastruktur für ihre Betreuung und Förderung (Kitas, Schulen, Vereine).

2. Streichung des Lebenszeitparagrafen

Der Paragraf 1353 BGB „Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen“ wird abgeschafft und damit die gegenwärtig praktizierte Zerschlagung der Familie nach einer Scheidung. Beendet wird damit auch die gegenwärtige Diskriminierung von Vätern.

3. Scheidung und Trennung ohne Gerichte

Die verpflichtende Mitwirkung eines Gerichts bei einer Ehescheidung nach § 1564 wird aufgehoben. Wenn ein Standesbeamter gut genug für die Eheschließung ist, ist er auch gut genug für die Ehescheidung. Wenn es aber juristischer Kompetenz bei der Scheidung bedarf, ist die auch bei der Eheschließung erforderlich. Das könnte wie bei einem Immobilienkauf durch einen Notar geschehen, der die Ehewilligen aufzuklären und juristisch zu beraten hätte. Wie Ehen werden auch nicht-eheliche Lebensgemeinschaften nach einer Trennung nicht länger mit Sanktionen belegt.

4. Partner mit gleichen Rechten und Pflichten

Im Normalfall beteiligen sich Partner in gleichem Umfang an den Familienaktivitäten einschließlich der Finanzierung und der Betreuung von Kindern. Für die Betreuung gemeinsamer Kinder gilt das auch, wenn die Eltern nicht mehr zusammenleben. Unterhaltszahlungen für Ehegatten und Kind entfallen. Partner, die etwas anderes wollen, müssen sich im vorhinein darauf einigen. Die gegenwärtig übliche gegenseitige Aufrechnung von Betreuung und Finanzierung wird beendet. Vor oder nach einer Trennung werden Kinder durch ihre Eltern betreut und nicht durch Familiengerichte oder Jugendämter.

5. Ehe als kirchliche Einrichtung

Ehen werden wieder in die Obhut der Kirchen gegeben, die sie früher betreut haben. Sie können nach ihren Glaubensrichtlinien Ehen stiften und begleiten. Auswirkungen auf bürgerliche Rechte und Pflichten, die Erhebung von Steuern oder finanzielle Zuwendungen vom Staat hat die kirchliche Verehelichung nicht. Die werden davon abhängig gemacht, dass Menschen tatsächlich „füreinander Verantwortung übernehmen“.

Dass eine der politischen Parteien in absehbarer Zukunft ein solches Familien-Programm auflegen könnte, ist schwer vorstellbar; denn die interessieren sich für Macht und nicht für Familien. Wahrscheinlich werden sie alle weiterhin die Augen vor der Wirklichkeit verschließen und nicht wahrnehmen wollen, dass die in großen Teilen der Bevölkerung gelebten Familien immer mehr von denen abweichen, die Politik und Justiz verordnen. Man kann nur hoffen, dass Partner und Eltern sich nicht weiter blind einem Staat anvertrauen, der das Gute vorgibt, aber das Böse schafft. Eltern müssen selbst etwas tun, um sich und ihre Kinder vor der aggressiven Ignoranz jener Familienwohltäter zu bewahren. Mehr Ratschläge dafür finden sich in meinem Büchlein „Verliebt Verlobt Verheiratet Verurteilt“.

Partnerschaft richtig

Freund oder Feind

Familie kann Glück, Zufriedenheit und Lebenssinn bedeuten. Sie kann aber auch zu Enttäuschung, Verbitterung und Feindschaft führen. Um des erste zu erreichen und das zweite zu vermeiden, gilt es, die Gefahren zu umgehen, die der Familie drohen. Die können sich aus der Beziehung zwischen den Partnern herleiten, oder sie können von außen an sie herangetragen werden. Hier soll von den ersten die Rede sein.

Die Partnerbeziehung beginnt in der Regel damit, dass sich zwei Menschen verlieben. Dabei nehmen sie einander in einer neuen Weise wahr. Sie sehen beim anderen nur gute und liebenswerte Eigenschaften und haben gleichzeitig das Gefühl, vom anderen ernst genommen und verstanden zu werden. So überwältigend und beglückend das Erlebnis ist, als Grundlage für eine Partnerschaft ist es nicht ausreichend; denn die ist etwas Langfristiges, das Verliebtsein dagegen ist zeitlich begrenzt. Irgendwann sind beide nicht mehr füreinander die angebeteten Engel, sie werden wieder zu wirklichen Menschen.

Lastenträger

Zur Wirklichkeit eines jeden gehört seine Vergangenheit. Besonders wichtig für die Partnerbeziehung ist das, was sich das kleine Kind in den ersten Lebensjahren vor der Phase des bewussten Lernens aneignete. In dieser Zeit kopiert es seine Eltern. Was es dabei aufnimmt, bleibt während des ganzen weiteren Lebens ein nicht in Frage gestellter Teil seiner Wirklichkeit, von dem es das meiste niemals bewusst wahrnimmt.

Dazu gehören z.B. Ängste, die nicht durch eine reale Gefahr, sondern durch Umstände hervorgerufen werden, die das Kind bei seinen Eltern als angstbesetzt erlebt hat. Es hat auch registriert, dass die Eltern auf die Angst mit Flucht oder mit Aggression reagierten und wird es ihnen nachtun. Es hat sich das Rollenverhalten von Vater und Mutter gemerkt. Es registriert, ob es den Eltern eine Freude oder eine Last ist, und das wird über sein späteres Selbstbewusstsein entscheiden. In seiner Entwicklung nimmt sich das Kind die Erwachsenen zum Vorbild: haben die sich in einem Bereich nicht über die Stufe eines Kindes hinaus entwickelt, wird wahrscheinlich auch der/die Heranwachsende auf dieser Stufe stehen bleiben. (Zum Weiterlesen über solche Verhaltensweisen wird das Buch von E. Berne „Spiele der Erwachsenen“ empfohlen).

Jeder einzelne trägt die Auswirkungen seiner Vergangenheit mit sich, und damit wird auch der Partner konfrontiert. Was ihm selbst normal und natürlich erscheint, mag für den Partner aber unverständlich, abwegig, unreif, störend, abstoßend, verletzend sein. Jeder von ihnen hat aus seiner Sicht Recht, aber genau das kann für den Partner schwer zu akzeptieren sein. Beide neigen dazu, dem anderen seine Sicht und sein Verhalten zum Vorwurf zu machen. Sie werden sich gegenseitig auffordern, sich zu ändern und zu bessern. Damit werden sie aber bei allem guten Willen kaum Erfolg haben.

Wenig hilfreich sind meistens auch Dritte, Familienangehörige oder Freunde, besonders wenn sie für den einen oder anderen Partei ergreifen. Besonders unnütz ist der Rat der professionellen Familien-Rechthaber. Deren Zuteilung von Recht und Unrecht ist für die Suche der Partner nach dem gemeinsamen Weg nur hinderlich.

Mittragen der Last

Am besten geeignet zur Lösung von Partnerproblemen ist die Partnerschaft und der Partner selbst. Ein einfühlsamer, liebender Mensch wird beim anderen die Zwänge erkennen, denen er unterworfen ist und die er nicht ändern kann, weil sie ihm niemals bewusst geworden sind. Er wird spüren, dass die Zwänge auch für ihren Träger belastend sind. Er wird versuchen, diese Last mitzutragen, und das macht sie ein wenig leichter. Passiert das wiederholt, so nimmt das der Last das Zwanghafte und Bedrohliche. Sie wird immer geringer und ist am Ende keine Last mehr. Das Mittragen der Last des anderen ist die wichtigste Aufgabe in einer Partnerschaft und ihr größter Gewinn.

Jeder Partner ist Träger seiner eigenen Last und Mitträger der Last des anderen zugleich. Das ist nur möglich, wenn die Partner gleichwertig und ebenbürtig sind. Sie müssen Vertrauen zueinander haben und sicher sein, dass der andere das gemeinsame Wohl höher einschätzt als das eigene. Vertrauen entsteht langsam im Laufe der Zeit, aber es kann in kürzester Zeit zerstört werden und mit ihm die wichtigste Grundlage für eine erfolgreiche Partnerschaft.

Das Mittragen muss freiwillig sein und kann nicht erzwungen werden. Es lässt sich nicht verordnen, es besteht kein Anspruch darauf, und es wird nicht als Zugabe mit dem Trauschein geliefert. Frisch Verliebten fällt es in den Schoß, aber in einer auf Dauer angelegten Partnerschaft muss man sich immer wieder aktiv darum bemühen. Das heißt immer wieder auf den Partner eingehen und sein/ihr irrationales Verhalten als Zwang und nicht als Bösartigkeit erkennen. Der Erfolg mag nicht unmittelbar eintreten und nicht dramatisch erscheinen, auf lange Sicht ist er dennoch riesig.

Ehe für alle – Der langsame Abschied vom Mittelalter

Sie wollen nicht nur normal sein, sondern auch als normal gelten. In ihrem Kampf gegen ihre Ächtung in der Gesellschaft haben die Partnerschaften von Gleichgeschlechtlichen mit der kürzlich im Bundestag beschlossenen „Ehe-für-alle“ ein wichtiges Ziel erreicht. Das Gesetz kennt in Zukunft nur noch eine Art von staatlich anerkannter Partnerschaft: Sie heißt „Ehe“, gilt für hetero- und homosexuelle Paare und sieht gleiche Rechte und Pflichten für beide vor.

Für die Gleichgeschlechtlichen ist das ist ein wichtiger Fortschritt; denn in der Vergangenheit gehörte das Parlament zusammen mit der katholischen Kirche und der Justiz zu der Allianz, die die Ablehnung, Diskriminierung und Verfolgung von Schwulen und Lesben betrieb. Ob das Parlament aus dieser Allianz endgültig und dauerhaft ausgeschieden ist, wird man sehen. Auch bleibt abzuwarten, ob sich die geistlichen Herren und die besserwissenden Richter der neuen Sicht anschließen werden. Von der katholischen Kirche wird man das kaum erwarten können; denn sie sehnt sich immer noch in das Mittelalter zurück, als ihre Weisungen für jeden verbindlich waren. Familiengerichte haben ihre eigenen Vorstellungen und pflegen Gesetze in ihrem Sinn umzudeuten, und auch das Verfassungsgericht könnte Einwände erheben.

Vor allem aber ist zu fragen, was denn die gleichgeschlechtlichen Partner von der Zivilehe erwarten und was daran so toll sein soll. Um den Romantik-Firlefanz der Heirat kann es ihnen doch wohl nicht gehen, den konnten sie bisher schon haben. Wollen sie außer der Anerkennung ihrer Beziehung auch den ganzen historischen Ballast aus der Zeit mittragen, als die Kirche über die Familien herrschte? Vielleicht sollten sie sich mal etwas genauer ansehen, was sie da anstreben:

  • „Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen“ steht auf katholischen Wunsch in § 1353 des Familienrechts, aber dann wird die Hälfte dieser Lebenszeitehen wieder geschieden, und zu dieser hohen Rate trägt der Staat maßgeblich bei.
  • „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern …“ heißt es in Artikel 6 des Grundgesetzes, aber dann werden Väter ohne Not durch die Familiengerichte abgeschafft und Mütter als Alleinerziehende eingesetzt.
  • Ein sorgloses Leben auf Kosten ihrer Ex-Männer stellen Familienanwälte den scheidungswilligen Müttern in Aussicht, aber dann landen die gemeinsam mit ihren alleinerzogenen Kindern in der Armut.

Die Bilanz der staatlichen Fürsorge für die Familien ist jämmerlich. Nur ein Ignorant und Schwachkopf von einem Mann geht in ein Standesamt, gründet eine Familie und setzt Kinder in die Welt. Und was wollen die Gleichgeschlechtlichen da? Sie möchten weg von der Diskriminierung und wählen dafür ausgerechnet eine Institution, in der dieselben Akteure aus Kirche, Politik und Justiz munter weiter diskriminieren. Ist das etwa nach dem Sankt-Florians-Prinzip in Ordnung, wenn die Opfer andere sind, nämlich Väter und Kinder? Statt einer Ehe-für-alle ist das eher eine Ehe-für-keinen.

Natürlich haben Schwule und Lesben in mancher Hinsicht bessere Karten:

  • Die große Zahl weiblicher und männlicher vergeltungsfeministisch engagierter Familienrichter wird schwerer Partei ergreifen können, wenn ihnen zwei Frauen oder zwei Männer gegenübersitzen.
  • Die aus dem Mittelalter stammende und einst sinnvolle Rollenverteilung mit dem alleinverdienenden Mann und der Hausfrau und Mutter, aus der sich heute die Väter-Diskriminierung herleitet, kommt für die meisten Gleichgeschlechtlichen gar nicht erst in Betracht.
  • Sie wissen auch, dass Partnerschaft einem nicht in den Schoß fällt, dass man etwas dafür tun muss, wenn sie lebendig bleiben soll, dass man sich dafür nicht auf einen Trauschein oder einen Familienanwalt verlassen kann und dass man sie notfalls auch gegen den Staat verteidigen muss.
  • Vielleicht sind sie auch klug genug, von vornherein selbst zu bestimmen, wie sie mit ihrer Ehe und notfalls auch mit einer Trennung umgehen wollen; denn auch bei ihnen ist nicht zu erwarten, dass jede Verbindung ein Leben lang lebendig bleiben kann.
  • Vielleicht sollten sie für ihre Eheschließung auch weiterhin von einem Notar Gebrauch machen, wie das bisher mit der eingetragenen Lebenspartnerschaft möglich war. Dann können sie einen ordentlichen Vertrag abschließen und müssten sich nicht mit den unverbindlichen schönen Worten in einem Standesamt begnügen.

Sollten die gleichgeschlechtlichen Partner Ehen eingehen, ohne in die Fallen der genannten familienfeindlichen Allianz zu treten, könnten sie damit sogar zu einem Vorbild für getrenntgeschlechtliche Familien werden. Dann wäre die Ehe-für-alle nicht nur ein Trippelschrittchen sondern eine Riesenschritt der Familien weg vom Mittelalter und hin zur Neuzeit.