1.1 Partnerschaft

Die Partnerschaft zwischen einer Frau und einem Mann mit oder ohne Ehe und mit oder ohne Kinder ist die gebräuchlichste Form menschlicher Gemeinschaft. Sie bietet den Partnern alle Vorteile der Zusammenarbeit wie Arbeitsteilung, gegenseitige Unterstützung und Ergänzung, Anregung und Bestätigung. Partnerschaft bewahrt vor Vereinsamung und damit einer Einbuße an Lebensqualität.

Eine starke Kraft, die Mann und Frau einander nahebringt, ist der Sexualtrieb. Mit ihm sorgt die Natur für Nachkommen und die Erhaltung der Art. Sie drängt Menschen auch ohne Kinderwunsch zu sexueller Aktivität, und sie belohnt sie dafür mit besonders schönen Empfindungen. Die sind kurzlebig und überdauern kaum den Geschlechtsakt, wenn die Partner nicht mehr verbindet als funktionierende Fortpflanzungsorgane.

Das sieht bei einer Liebesbeziehung anders aus. Für Liebende ist die sexuelle Vereinigung eine besonders schöne Form, ihre Gefühle für einander auszudrücken. Sie wird damit zu einer Liebeserklärung, und die wird von beiden viel intensiver erlebt als Sex ohne Liebe. Sie wirkt über den Geschlechtsakt hinaus und ist dadurch ein starkes Bindeglied zwischen ihnen.

Den Partner lieben heißt, ihn wahrnehmen und wertschätzen. Zum Wahrnehmen gehört, dass man sich ihm zuwendet, sich auf ihn konzentriert, ihm zuhört, ihn anschaut und dabei aufnimmt, was er denkt und fühlt. An seinem Gesicht und den Augen lässt sich ablesen, ob er glücklich, traurig, ängstlich, zornig, zufrieden, besorgt, hilflos, erfreut ist oder was ihn sonst bewegt. Von dieser einfachen aber wichtigen gegenseitigen Verständigung wird leider zu wenig Gebrauch gemacht.

Wertschätzung bedeutet, das zu mögen, was man beim anderen wahrnimmt, ohne zwischen gut und böse, richtig und falsch, annehmbar und ungeeignet zu unterscheiden. Wer sich dem anderen zuwendet, kann auch sich selbst besser wahrnehmen und schätzen, ein doppelter Gewinn.

Für frisch Verliebte ist all das selbstverständlich; denn es kommt mit der Liebe automatisch. Wird aber die Gegenwart des Partners zur Routine, muss man sich nicht mehr darum bemühen, weil sie einem per Trauschein garantiert ist, dann pflegen Aufmerksamkeit und Wertschätzung nachzulassen. Partner haben oft Ansichten, die den eigenen zuwider laufen. Partner handeln zuweilen unvernünftig und unverständlich, und sie reagieren auf ein harmlos gemeintes Wort verletzt oder aggressiv. All das stellt die Verständigung und mit ihr die Liebe auf die Probe.

Diese Differenzen sind in einer Partnerschaft normal. Ihre Ursachen liegen in den unterschiedlichen Vergangenheiten der beiden und sind nicht der Schuld, der Bösartigkeit oder der mangelnden Liebe des anderen zuzuschreiben. Liebe hilft einem aber, die Unterschiede zu überwinden. Das beschreibt das Kapitel Reife Liebe.